Cheerleading im Umfeld sozialer Brennpunkte

Dieses Thema im Forum 'SPIRIT' wurde von wildcheer gestartet, 17 Januar 2007.

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  1. wildcheer Well-Known Member

    Es gibt sicherlich Teams in Deutschland, die in Ecken oder Stadtteilen angesiedelt sind, in denen es nicht immer friedlich abgeht, wo Mädchen und Jungs das Cheerleading als eine Art Ablenkung sehen oder vielleicht so im Umgang mit anderen Jugendlichen wieder auf die grade "Bahn" kommen.
    Uns interessiert was da an Erfahrungen gesammelt wurden und natürlich Eure Meinung dazu!

    Euer Spirit Team
    Biggi
    Moe gefällt dies.
  2. Shamrocks-Sven Active Member

    AW: Cheerleading im Umfeld sozialer Brennpunkte

    Naja, wir sitzen in einem Stadtteil mit überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeits- und Kriminalitätsrate sowie einem sehr hohen Anteil von Mitbürgern mit Migrationshintergrund (habbichtollgesagt :mrgreen: ).

    Wir merken schon das viele Kinder nicht das Geld haben um unsere eigentlich recht moderaten Beiträge zu bezahlen. Leider geben die Eltern oft aus Scham nicht zu das sie das Geld nicht haben, deshalb können wir die Härtefallregelung unseres Vereins auch nicht anwenden. Dabei geht eine Menge Talent verloren.
    Wir versuchen durch Auftritte bei Stadtteilfesten und andere Aktionen die Kinder trotzdem zu bekommen.

    Mit Gewalt haben wir (*aufholzklopft*) noch keine Probleme gehabt. Das kann auch gerne so bleiben. Dafür ist bei uns schon einiges abhanden gekommen (Handys etc.) was natürlich auch sehr ärgerlich ist.

    Ich muß allerdings dazu sagen das wir keine Kinder aus "Problemfamilien" haben (wo geprügelt oder gesoffen wird). Unsere Mädchen kommen eigentlich alle um sich vom Alltag abzulenken, unabhängig davon aus welchem sozialen Umfeld sie kommen.
  3. Cheerleader Cheerleading Network

    Cheerleader und Dancer gefällt dies.
  4. SuperSarah ~ Prinzessin ~

    Team:
    Perleberg PRINCESS
    AW: Cheerleading im Umfeld sozialer Brennpunkte

    Wir sind mitten im Niemandsland angesiedelt...
    Brandenburg:thumbup:

    Großes Problem ist, dass man bei den Seniors keine Kontinuität mit hineinbekommt, da alle spätestens mit 19 Jahren ( Abi, oder auch schon 16, Ausbildung) weggehen...
    Also die älteste meiner Mädels ist jetzt 20:bounce:
  5. SCARLET New Member

    AW: Cheerleading im Umfeld sozialer Brennpunkte

    Wir kommen alle aus Gelsenkirchen, Essen, Bochum!
    "Problemfälle" haben wir in unserem Team nicht, Gewalt ist auch kein Thema bei uns! Nur einmal bei einem Auftritt (es war ein Multi-kulti-Fest...) waren ein paar Mädels wohl eifersüchtig auf unsere Truppe... die haben forher Folklore getanzt, was aber niemanden interessiert hat... dann kamen süße Cheerleader, die natürlich jeder sehen wollte!! Die haben dann nach unseren Auftritt paar Mädels von uns Prügel angedroht, ist aber doch ganz friedlich ausgegangen, wir haben ganz schnell gemacht das wir da wegkommen! Das ist auch schon so ca 6Jahre her!!

    LG, S.
  6. Moe New Member

    AW: Cheerleading im Umfeld sozialer Brennpunkte

    So siehts auch bei uns in Wilhelmshaven aus! Wir haben auch keine Problemfälle innerhalb des Teams, zumindest keine schwerwiegenden. Und wenns mal soweit kommt, hat man ja genug Leute, die einem helfen können, dafür muss ich mein Team auch mal loben. @Scarlett: Solche Neider hatten wir auch schon, allerdings finde ich die total albern. Wir versuchen sowas auch immer zu ignorieren, auch wenn es manchmal nicht einfach ist! Jeder kann doch das machen was ihm gefällt und man kann keinen zwingen einen zu mögen. Auch Cheerleading kommt nicht überall an. Wir hatten z.B mal nen Auftritt bei ner Rockerveranstaltung, da war auch keiner wirklich überzeugt von uns. Wie gesagt, man muss nicht alles mögen, aber man sollte zumindest akzeptieren was andere machen und auch, das das was der andere macht vielleicht besser ankommt, auch wenns schwer fällt. Für mich wäre das z.B ein Ansporn etwas zu verbessern um auch so anzukommen.
  7. Pink-Lady18 Guest

    AW: Cheerleading im Umfeld sozialer Brennpunkte

    wir haben eigentlich einen ganz guten stadtteil erwischt...
    aber ich denke mal, dass cheerleading vielen helfen kann sich wieder auf andere sachen zu konzentrieren und nich nur auf die negativen, denn cheerleading is ein sport der sehr viel zeit in anspruch nimmt...und aus diesem grund hat man dann wohl auch nich mehr "genug Zeit" um auf die falsche Spur zu kommen...
  8. Moe New Member

    AW: Cheerleading im Umfeld sozialer Brennpunkte

    Das stimmt, im Grunde hat man nicht mal Zeit auf falsche Gedanken zu kommen, vorausgesetzt man nimmt diesen Sport auch ersnt, denn da gibt es ja leider auch noch genug, die keine Ahnung haben von dem was sie tun!
  9. Peter Well-Known Member

    AW: Cheerleading im Umfeld sozialer Brennpunkte

    Also wir sind auch nur ein normaler Verein und da ist die Zahl der Mitglieder immer auch eine Art Querschnitt durch die Bevölkerung, mit Höhen und Tiefen. Ich würde die Probleme unter "normal" abhaken, auch wenn wir schon über die Jahre schon unterschiedlichste "Härtefälle" hatten. Das hatte aber nicht immer etwas mit der Herkunft oder den finanziellen Möglichkeiten zu tun.

    Oft bekommt man es auch gar nicht so mit. Zumindest nicht als Trainer. Man sieht die Leute ein paar Stunden in der Woche und im Training tragen alle Teamshirts oder ähnliches. Beim Auftritt das Kostüm. Das wirkt sich dann wie eine Schuluniform aus und macht alles recht gleich. In der Freizeit sind alle sicher unterschiedlich, aber da haben wir auch so viele unterschiedliche Typen von Öko über leicht punkig bis zu Schicki-Micki, dass man da auch nicht immer vom Äußeren schliessen kann.

    Ich nehme auch an, dass Cheerleading nicht gerade die "klassische" Sportart für soziale Brennpunkte ist, obwohl es sich vom Sport her sicher gut eignen würde. Das Erscheinungsbild ist da aber vielleicht doch auch ein Hemmnis. Ich möchte niemanden angreifen, möge jeder nach seiner Art leben, aber gerade bei Familien mit Migrationshintergrund aus Balkanstaaten, Türkei und ähnlichen Ländern, die nun einmal doch bestimmte Vorstellungen haben wie ein Mädchen rumlaufen sollte, teilweise muslimisch geprägt sind, kommt ein Sport, bei dem kurze Röcke getragen werden, evtl. noch bauchfrei, nicht unbedingt gut an. Wir hatten daher in der Vergangenheit nur recht wenig Mädchen aus solchen Ländern und hatten, wenn es mal vorkam, auch fast immer Anfangsdiskussionen mit Eltern. Wobei das alles schon recht liberale Familien waren und es jetzt nicht darum ging, dass ein Mädchen einen Schleier oder ein Kopftuch abnehmen sollte oder so. Die hatten sowas alle nicht.

    In Zeiten, in denen Schwimmhallen aber anfangen reine Frauenzeiten anzubieten, weil eben Frauen aus bestimmten Kulturkreisen sich nicht im Badeanzug anderen Männern zeigen dürfen, kann man nicht wirklich erwarten, dass aus diesen Kulturkreisen viele Cheerleading machen werden. Wobei ja prinzipiell nicht vorgeschrieben ist, dass man im kurzen Rock auftreten muss. Man könnte sowas ja anders regeln.
    SuperSarah gefällt dies.
  10. SCARLET New Member

    AW: Cheerleading im Umfeld sozialer Brennpunkte

    Die Mädels die uns damals an den Kragen wollten waren solche wie Peter beschrieben hat! Für die kommen kurze knappe Kostüme nicht in Frage, die waren nur so sauer glaub ich, weil Ihre Landsmänner uns gut fanden! Ich finde auch, das man auch andere Sportarten, tanzarten akzeptieren sollte, jeder halt so wie er mag! Es muß uns auch nicht jeder gut finden! Ich schau mir auch gern andere Tanzgruppen an&ich weiß ja, wieviel arbeit dahinter steckt, auch wenn man nicht alle gut findet, muß man ja nicht sofort drüber herziehen!

    LG, S.
  11. Vanessa85 Member

    AW: Cheerleading im Umfeld sozialer Brennpunkte

    Ich denke, bei uns im Team gibt es auch keine Fälle von Gewalt oder ähnlichem.
    Es gibt halt nur manchmal solche Fälle, dass Mädels sich die Ausrüstung nicht leisten können und natürlich steigt da dann der Verein ein und finanziert diesen Mädels das dann.
    Schwierig bei uns ist lediglich einer unserer Trainingsorte, das Schwelgernstadion in dem wir im Sommer häufig trainieren. Das Stadion liegt mitten in Duisburg- Marxloh, wo doch eine überdurchschnittliche Ausländerquote vorherscht. Das ist vom Prinzip her kein Problem, allerdings ist das Stadion öffentlich und so kann man uns beim Training zuschauen.
    Es ist schon oft vorgekommen, dass wir blöd angesprochen wurden oder nachgemacht worden sind. Natürlich versuchen wir soetwas immer zu ignorieren, nur leider ist das manchmal nicht möglich und so werden wir schon etwas eingeschränkt.
  12. SVT*Barbara Well-Known Member

    AW: Cheerleading im Umfeld sozialer Brennpunkte

    Von Gewalt oder ähnlichem beim Training kann ich auch nichts schreiben.
    Ich frage mich grad wie ich gucken würde, wenn ich vorne was erkläre und auf einmal prügeln sich 2 Mädels...oh Gott!

    Wir haben eine Halle in einem sozialen Brennpunkt ("Ghetto" genannt hier in NMS) und dort MÜSSEN wir die Halle immer abschließen. Es kommen Jugendliche aller Herren Länder rein, beleidigen, schmeißen Dinge gegen die Hallenfenster...
    Wir müssen auch die Fahrräder alle mit reinnehmen. Bisher ist zwar nichts Schlimmes vorgefallen und wir haben die Halle seit 3 Jahren, aber angenehm ist es nicht. Ich würde mein Auto am Liebsten auch mit reinnehmen...
    Die Hallenzeit kann auch leider nicht geändert werden und an dem Tag kommen bekommen wir keine andere Halle.

    Wir hatten bei uns eine Familie, die den Beitrag nicht zahlen konnte und uns davon nicht informiert hat. Irgendwann ist der Verein zum Rechtsanwalt gegangen und die Mutter hat sich super aufgeregt und hat im Verein rumgeschrieen und alle Menschen beleidigt und ihre Tochter aus dem Verein genommen (hat aber noch immer keine Kündigung geschrieben...).

    Ich hatte ein Mädchen bei mir, die seit ihrem 8. Lebensjahr Cheerleading gemacht hat, heute ist sie 17 und psychisch sehr krank.
    Sie hat keine Regeln mehr beachtet, ist einfach aus der Halle und hat geraucht, hat auf niemanden gehört und hat mich auch vor den anderen beleidigt. Ich wusste nicht was mit ihr los war, denn sie veränderte sich immer mehr.
    Ich kannte sie privat und wusste das sie zu Hause viele Probleme hatte und habe dort die Ursachen gesehen (kommt auch aus dem oben genannten "Ghetto").
    Ich wusste eine lange Zeit nicht was ich mit ihr machen soll und es wurde nicht besser.
    Sie hat dann aufgehört (mit 14 ungefähr) und letztes Jahr hatte ich eine zeitlang wieder mit ihr Kontakt und habe sie gefragt, ob sie wieder anfangen möchte, da ihr Therapeut meinte, sie sollte Sport machen bzw. langsam wieder unter Leute kommen (da sie schon seit Jahren nun zu Hause rumhängt, Ausbildungsstätte hat sie rausgeschmissen).
    Aber sie scheut jeden menschlichen Kontakt und alles ist wirklich ganz schlimm...hat auch ihre Therapie abgebrochen usw.
    Hab dann hinterher noch mitbekommen wie sie sich selbst weh tut, Drogen nimmt etc. - ganz, ganz schlimm!

    Sie war ein super Cheerleader und ich - als ausgebildete Pädagogin - hatte das Bedürfnis ihr zu helfen, habe mit ihr geredet und geweint, aber ich kann da in dem Moment als kleine Trainerin nichts ändern.
    Da bin ich einfach persönlich nicht zu sehr drin bei ihr, sehe sie nicht jeden Tag und da bietet sich einfach keine Chance.
    Gespräche mit den Eltern (die ich sehr, sehr gut kannte) hatte ich einige, aber die wissen selbst nicht weiter.
    Meine Ratschläge, die ich den Eltern gab (dadrunter Adressen von Anlaufstellen) wurden nicht beachtet.
    Es herrscht zu Hause eher Angst vor der Tochter.

    Aber ich kann von mir behaupten alles mir Mögliche versucht zu haben.

    Puh...
  13. Bettina Suk-Langbein Member

    Team:
    Storm P&P / Storm Princess / Storm Stunter / Little Crabs / Crazy Island Dance Team Juist
    Verband:
    CCVD
    AW: Cheerleading im Umfeld sozialer Brennpunkte

    Unser Verein hat seinen Ursprung in einer Showtanzgruppe, die in einem Kinder-/Jugendheim ins Leben gerufen wurde, als ich dort noch als Erzieherin gearbeitet habe.
    Ziel war es die Kids aus den Heimen im Stadteil zu integrieren, was auch gut gelungen ist.
    Später habe ich daraus einen neuen Verein gegründet, da doch einige Leute ein Problem damit hatten, wenn ein Bild in der Zeitung war und drunter stand " Wir danken den Cheerleadern des Kinder-/ Jugendheimes." und ihre Kinder mit abgebildet waren, die ja nicht im Heim wohnen.
    70% unserer jetzigen Vereinsmitglieder kommen aus Familien, die ALG II beziehen. Kann eine Familie den Beitrag nicht sofort zahlen, so haben wir bis jetzt immer eine einvernehmliche Lösung gefunden.
    Auch die Gelder für Teilnahme an offenen Meisterschaften und Camps geben wir sehr frühzeitig bekannt, sodass monatlich schon Raten gezahlt werden.
    In akuten Einzelfällen schaffe ich andere Lösungen. Das sind aber Einzelfälle.
    Die Halle müssen wir auch abschließen, damit unsere Umkleiden nicht durchwühlt werden, Fahrräder, Buggy usw. kommen mit in den Hallenflur.
    Grundsätzlich habe ich mir auf die Fahne geschrieben, dass jeder bei mir Cheerleading mitmachen darf,der sich einbringt und an Regeln hält, egal wo er herstammt, denn KIDS können nichts für ihre Eltern.
    In den Anfangszeiten ist der Verein sehr gern als Therapieobjekt für Hilfeplanungen im Rahmen der Jugendhilfe genommen worden, dies ist jetzt nicht mehr so, da wir mit unserem jetzigen Verein einen anderen Anspruch haben, wo der Sport an 1.Stelle steht, was ich auch wesentich angenehmer empfinde.
Status des Themas:
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